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Unsichtbare Grenzen

    Modul Fortschritt
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    Du wirst mit deinem Hund wahrscheinlich öfter an Orten spazieren gehen, an denen er die Wege nicht verlassen darf. Das kann sein, weil er nicht auf das bestellte Feld treten soll, oder aber weil er im Wald keine Tiere stören darf. Teilweise ist auch die Leinenpflicht an genau diese Voraussetzung gebunden: Ohne Leine ist nur erlaubt, wenn der Hund zuverlässig auf den Wegen und im Einwirkungsbereich seines Menschen bleibt.

    Daher lohnt es sich, dem Hund diese Weggrenzen als unsichtbare Grenzen beizubringen, die er nicht ohne Freigabe übertreten darf. Wir bauen das über das sogenannte Barriereclickern auf, das man auch nutzen kann, um selbständiges Stoppen an Bordsteinkanten oder Türschwellen zu üben.

     

    Der Aufbau

    Schritt 1

    Such dir zum Üben erstmal eine möglichst gut erkennbare Grenze aus. Das kann zum Beispiel ein klar erkennbarer Wegrand sein. Bewege dich mit deinem Hund auf die Grenze zu. Bevor er die Grenze überschreiten kann, markerst du und belohnst ihn, ohne dass er dafür die Grenze überschreiten muss. Wiederhole diesen Schritt einige Male.

    Schritt 2

    Nach einigen Wiederholungen von Schritt 1 kannst du testen, ob dein Hund schon eine Idee davon hat, was ihr da tut und wann du markerst. Beweg dich wieder auf die Grenze zu, und schau, ob dein Hund kurz vorher selbst etwas abbremst, anhält oder dich vielleicht sogar in Erwartung des Markers anschaut. Dafür gibt es natürlich sofort Marker und Belohnung. Belohn ruhig erstmal jedes kleinste Zögern, das Stehenbleiben kommt dann mit der Zeit. Ganz wichtig dabei: Du gibst KEIN Signal und sprichst deinen Hund nicht an. Die Grenze selbst soll zum Signal werden, damit es auch funktioniert, wenn du gerade mal nicht guckst.

    Schritt 3

    Wenn dein Hund zuverlässig selbst stehen bleibt, kannst du die Zeit, die er stehen bleibt, langsam verlängern. Also erstmal für 1 Sekunde stehen markern, dann für 2 usw. Aber steiger nicht stetig und bei jedem Mal, sondern mach zwischendurch wieder einfachere Durchgänge. Wenn du möchtest, dass dein Hund nicht nur stehen bleibt, sondern dich auch dabei anschaut, warte, bis er das tut und marker genau das.

    Schritt 4

    Jetzt kannst du – zumindest für Grenzen, die doch ab und an überschritten werden dürfen – ein Freigabesignal einführen. Dein Hund bleibt stehen, du sagst dein Freigabesignal und lockst ihn ggf. über die Grenze. Wichtig ist, dass nicht auf jedes Stehenbleiben die Freigabe folgt, sondern immer wieder das Stehenbleiben auf der „erlaubten“ Seite belohnt wird. Wir wollen schließlich auch hier keine Kette bilden, bei der dein Hund dann nur kurz stehen bleibt und dann die Freigabe vorweg nimmt.

    Schritt 5

    Als letztes geht es daran, Ablenkungen hinzuzufügen, die Leine abzubauen und zu generalisieren. Mach es immer nur so schwer, dass dein Hund es noch gut schafft. Denk dran: nur weil er jetzt die eine Stelle als Grenze kennt, heißt das noch lange nicht, dass er 10 Meter weiter auch stehen bleibt! Gehe lieber nochmal ein paar Schritte zurück und marker einfach, bevor er über die Grenze gehen kann. Wenn dein Hund das Prinzip einmal verstanden hat, braucht es meist nicht mehr viele Wiederholungen an der nächsten Stelle.

    Und wenn doch mal ein Fehler passiert und der Hund drüber rennt? Nicht schimpfen, ganz ruhig ansprechen und wieder hinter die Grenze führen. Überlege, woran es gelegen hat – zu viel Ablenkung, Konzentration aufgebraucht, oder keine Lust mehr auf Leckerchen? –  und beim nächsten Versuch machst du es deinem Hund wieder ein bisschen leichter, oder trainierst einfach nicht so lang am Stück.

    Ausblick

    Bei vielen Grenzen kannst du mit der Zeit die Leckerchen ausschleichen, weil das Weiterlaufen dürfen zum Verstärker wird, der das Verhalten aufrecht erhält! Außerdem spielt die Ritualisierung eine ganz wichtige Rolle. Irgendwann ist es für deinen Hund an bestimmten Stellen einfach normal, auf dem Weg zu bleiben. Du kannst also mit der Zeit deine Futterbelohnungen wieder ausschleichen bzw. durch verbales Lob ersetzen. Wird aber das Verhalten wieder weniger zuverlässig, warst du zu schnell. Dann belohne erstmal wieder öfter, denn ein zuverlässiges Einhalten der Kante, ohne dass du deinen Hund öfter zurück pfeifen musst, sollte immer das Ziel sein.

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