Tag 4 – Die Klebenase

    Das Grundgerüst deines Handtouch steht nun – dein Hund berührt auf Signal kurz deine Hand. In manchen Situationen wäre es aber schön, wenn dein Hund die Nase längere Zeit an der Hand behalten würde. Er soll am besten ein paar Sekunden lang wie festgeklebt dort stehen. Diese Art des Handtouch nennt man daher gerne die “Klebenase”.

    Wie du das mit deinem Hund – ganz ohne echten Kleber natürlich – aufbaust und wozu du die Klebenase dann einsetzen kannst, erkläre ich dir jetzt:

     

    Die Klebenase aufbauen

     

    Wie so oft im Training führen auch bei der Klebenase viele Wege nach Rom, auch wenn nicht jeder Hund über jeden Weg gleich gut dahin kommt. Ich stelle dir daher – absolut ohne Anspruch auf Vollständigkeit – 3 verschiedene Ansätze vor, aus denen du wählen kannst. Zuerst schauen wir aber noch kurz auf die Voraussetzungen, um zu diesen nächsten Schritten zu gehen.

     

    Die Vorarbeit

     

    Bevor du dich wirklich auf die Dauer des Touch konzentrieren kannst, ist es ganz wichtig, dass dein Hund auch wirklich so weit ist. Unser Ziel ist es, dass er nachher richtig an der Hand klebt. Wir brauchen also vorher ein sicheres und nicht zögerliches Berühren der Hand mit der Nase. Er darf auch gern ein bisschen Druck gegen deine Hand aufbauen.

     

    Stupst dein Hund zwischendurch noch zaghaft, oder berührt deine Hand manchmal nicht richtig? Dann fügen wir noch folgenden Zwischenschritt ein – es sei denn du WILLST, dass dein Hund bei der Klebenase die Hand auch mal nur fast berührt, dann ignorier diesen Schritt.

     

    Beginne, nur noch die Versuche zu markern und zu belohnen, die fester gegen deine Hand drücken. Konzentriere dich also auf das Gefühl an deiner Hand und Marker genau dann, wenn die Nase die Hand richtig berührt – jetzt also nicht mehr für die Bewegung hin! Nach und nach kannst du dein Kriterium, wie feste dein Hund stupsen soll, immer etwas schwieriger machen. Achte aber darauf, dass er weiterhin eine Erfolgsquote von mindestens 80% der Wiederholungen hat.

     

    Dein Hund wird so verstehen, dass sie die sanften Stupser nicht mehr lohnen, die festeren aber schon. Du formst dir nach und nach einen kräftigen Handtouch!

     

    Dauer heraus formen

     

    Damit bist du jetzt bereit, an der Dauer zu arbeiten. Eine Möglichkeit dafür ist es, dass du die Dauer ähnlich weiter heraus formst, wie du zuvor mit der Stärke vorgegangen bist. Die Stupser deines Hundes werden sich geringfügig in ihrer Länge unterscheiden. Du achtest nun darauf, dass du nur noch die längeren Stupser markerst und belohnst, während du die kürzesten nicht belohnst.

     

    Bei diesem Vorgehen sprechen wir von Shaping (zu deutsch “Formen”) durch differentielle Verstärkung – wir verstärken nicht mehr alle Versuche, sondern nur noch bestimmte, so dass wir uns nach und nach an das gewünschte Zielverhalten heranarbeiten.

     

    Diese Methode eignet sich an sich an sich für jeden Hund. Ihr Erfolg und vor allem das Maß an Frust beim Hund steht und fällt allerdings damit, wie präzise und kleinschrittig der Mensch vorgeht.

     

    Den Marker heraus zögern

     

    Ein etwas anderer Ansatz macht sich hingegen zunächst den so genannten Löschungstrotz zunutze. Löschungstrotz entsteht, wenn eine erwartete Belohnung für ein Verhalten ausbleibt und führt dazu, dass dein Hund das Verhalten noch einmal mit besonders viel Nachdruck zeigt – ganz nach dem Motto “Aber das MUSS doch richtig sein!”.

     

    Diese Reaktion rufen wir nun bewusst hervor, indem wir den ersten Stupser nicht belohnen und einfach abwarten, ob unser Hund uns einen zweiten, etwas festeren und längeren Stupser anbietet. Dieser wird dann natürlich direkt gemarkert und reichlich belohnt!

     

    Auch, wenn der zweite Stupser nur genau so lang und stark wie der erste ist, solltest du das aber belohnen, denn wir wollen ja nicht, dass das Stupsen an sich gelöscht wird, weil es sich scheinbar für den Hund nicht mehr lohnt.

     

    Es kann sein, dass der Hund bei diesem Vorgehen erstmal zu dem Schluss kommt, dass er zweimal hintereinander stupsen soll – das ist nicht schlimm! Aus zwei kurzen Stupsern kann später gut ein längerer Stupser werden. Du kannst auch schauen, ob er vielleicht noch mehr Stupser direkt hintereinander anbietet.

     

    Bei diesem Vorgehen bewegen wir uns eher im Bereich “Freies Formen”. Das bedeutet, dass der Hund recht viel selbst denken und austüfteln darf bzw. muss und der Mensch sehr gut beobachten und sich an den Weg des Hundes anpassen muss. Für Hunde, die schlecht mit Frust umgehen können, oder die es noch gar nicht kennen, dass sie selbst Verhalten ausprobieren und anbieten sollen, ist dieses Vorgehen eher nicht geeignet. Dafür lässt es viel mehr Individualität und Kreativität zu und je nachdem, wie erfahren du um Clickern bist, wäre es auch eine passende Herausforderung für dich, es so zu trainieren.

     

    Brückensignale

     

    Um unserem Hund zu vermitteln, dass er ein bestimmtes Verhalten länger zeigen bzw. eine bestimmte Position länger halten soll, gibt es zusätzliche Signale, die wir dafür aufbauen können. Ich möchte an dieser Stelle nicht weiter in die Tiefe gehen und lasse die Feinheiten und Unterschiede von Keep Going Signal, intermediärer Brücke und Co. erstmal außen vor. Eines haben diese Signale jedoch alle gemein: Sie sagen deinem Hund “mach weiter, dann kommt eine Belohnung”. Im weiteren werde ich es einfach “Brückensignal” nennen, da es die Zeit überbrückt, in der der Hund das Verhalten durchhalten soll – die Trainingstechnologie-Nerds unter euch mögen mir diese Verallgemeinerung verzeihen!

     

    Vorteil eines solchen Signales für die Klebenase ist, dass wir unserem Hund ganz einfach sagen können, was wir von ihm möchten – länger die Nase an die Hand halten! Keine Umwege über Formen und kaum Frust beim Hund. Es ist damit auch für frustanfällige und/ oder recht unerfahrene Hunde geeignet und erfordert vom Menschen kein ganz so perfektes Timing und Beobachten.

     

    Nachteil der Sache ist, dass dein Hund erstmal lernen muss, was dieses Signal heißt. Es muss also zusätzlich zum Handtouch auch noch einzeln aufgebaut werden, damit es funktioniert. Dein Hund muss hier wirklich erst das Prinzip von “mach weiter, DANN folgt eine Belohnung” gelernt haben, damit er es auch auf andere Situationen, wie die Klebenase, übertragen kann. Das tust du am besten mit Hilfe von Signalen, die dein Hund eh schon beherrscht und etwas länger halten kann. Dafür bietet sich zum Beispiel Sitzen, oder bei Fuß gehen an. An sich ist der Aufbau dann ganz einfach:

     

    Dein Hund zeigt gerade das entsprechende Verhalten und du beginnst dein neues Brückensignal zu sagen – z.B. “go go go” oder “la la la…” – und wiederholst es einige Male, direkt gefolgt von deinem normalen Marker und einer Belohnung. Dein Hund lernt also, dass das Brückensignal den Marker und damit die Belohnung ankündigt. Sollte dein Hund unerwarteter Weise mit dem Verhalten aufhören, so hörst du auch mit deinem Brückensignal auf. Das gibt deinem Hund die Rückmeldung, dass nun keine Belohnung mehr folgt. Bedenke aber auch hier, dass dein Hund immer die Chance haben sollte, es richtig zu machen!

     

    Hast du also ein Brückensignal aufgebaut, gibst du es einfach dazu, wenn dein Hund deine Hand berührt. Du beginnst natürlich mit einem ganz ganz kurzen Verlängern des Stupsens – eine Sekunde ist für den Anfang schon lang! Mit der Zeit kannst du dann ganz langsam die Dauer und damit dein Brückensignal länger werden lassen. Achte dabei darauf, dass du nicht stetig immer und immer längeres Halten verlangst, sondern immer mal wieder auch kürzere Klebenasen abfragst. Der Marker beendet jeweils das Verhalten.

     

    Einsatzmöglichkeiten

     

    Hast du die Klebenase mit deinem Hund richtig ordentlich aufgebaut, dann kannst du sie für unterschiedlichste Situationen verwenden. Hier ein paar Beispiele:

     

    Du kannst die Klebenase einfach einsetzen, wenn du deinen Hund für einige Sekunden an einer bestimmten Stelle halten willst.

     

    Die Klebenase kann ein Alternativverhalten sein, wenn dein Hund ansonsten gerne etwas tun würde, das du nicht möchtest.

     

    Du kannst die Klebenase zum Kooperationssignal ausbauen und im Tierarzttraining nutzen. Löst der Hund die Nase von der Hand, heißt das “das war zu viel, ich kann nicht mehr, hör bitte auf”.

     

    Du kannst die Klebenase auch zur Führhand ausbauen und damit zum Beispiel ein sportliches Bei-Fuß-Laufen aufbauen, bei dem du sehr präzise die Kopfposition deines Hundes beeinflussen kannst.

     

    Oder du nutzt die Klebenase einfach als einen weiteren lustigen Trick, den ihr in eurem Repertoire habt!

     

    Deine Aufgabe für heute:

    1. Wähle eine der Varianten für den Aufbau der Klebenase aus.
    2. Probiere die gewählte Variante mit deinem Hund aus und übe mit ihm, dass er die Nase ein kleines bisschen länger an der Hand behält. Hast du das Gefühl, ihr kommt mit eurer Variante nicht weiter? Dann mach eine Pause und probiere es mit einer anderen nochmal – nicht alles passt für jeden Hund! Bedenke aber auch, dass es einige Zeit dauern kann, bis dein Hund wirklich verstanden hat, worum es geht und du größere Fortschritte siehst. Geduld und sehr kleinschrittiges Vorgehen zahlt sich aus!
    3. Überlege dir, in welchen Situationen du die Klebenase gerne einsetzen möchtest und definiere damit ein Trainingsziel für euch. Überlege dir ggf. Zwischenschritte, vor allem für Ziele in ablenkungsreicher Umgebung.
    4. Solltest du so weit kommen, dass dein Hund die gewünschte Zeit an deiner Hand kleben bleibt, dann kannst du auch ein Wortsignal einführen und die Schritte zur Signalkontrolle aus der Aufgabe von Tag 2 üben.

     

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